Deutschland Plan fordert mehr Frauen in Führungspositionen

Veröffentlicht am 04.08.2009 in Wahlen

Steinmeiers Deutschlandplan fordert zur Diskussion über die politschen Ziele der nächsten 10 Jahre. Während sich noch alle über 4 Mio Arbeitsplätze die Köpfe heissreden, ist für uns der Passus "Volle Gleichberechtigung fängt oben an: Mehr Frauen in Führungspositionen" genauso wichtig.
Hier der Text:

Wo wir stehen
In den vergangenen Jahrzehnten haben Frauen auf dem Weg zur Gleichberechtigung viel erreicht. Doch gleiche Rechte sagen noch nichts über die faktische Gleichstellung aus. Zwar fordert das Grundgesetz auch die Durchsetzung der tatsächlichen Gleichberechtigung von Frauen und Männern. Aber die Daten und die Erfahrung im Alltag zeigen: Es gibt immer noch viel Ungleich-behandlung, besonders in der Privatwirtschaft.
Mit sozialdemokratischen Anregungen hat die Bundesregierung in den vergangenen Jahren viele konkrete Schritte auf dem Weg zu tatsächlicher Gleichstellung unternommen. Mit dem Elterngeld binden wir auch die Männer verstärkt in die Familienarbeit ein. Der Ausbau der Kinderbetreuung fördert die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
Ab 2013 haben alle Eltern von unter Dreijährigen einen Rechts-anspruch auf eine Betreuung ihrer Kinder.
Das Bildungsniveau von Frauen steigt beständig an. Während nur acht Prozent der Frauen zwischen 60 und 65 einen Hochschulabschluss haben, sind es in der Generation der 30-bis 35-Jährigen bereits 18 Prozent. Auch die Chancen für Frauen, einen Beruf auszuüben, haben sich verbessert. Die Erwerbstätigenquote von Frauen liegt
heute in Deutschland bei über 65 Prozent.
Aber noch immer erhalten Frauen nicht gleichen Lohn für gleiche Arbeit, noch immer sind sie gerade in den Führungsetagen von Unternehmen unterrepräsentiert, und noch immer haben sie familienbedingt andere Arbeitszeiten.
Eine Lohnlücke gibt es in allen Branchen - der Frauenanteil in Führungspositionen ist gering - Frauen verdienen bei gleicher Arbeit pro Stunde 23 Prozent weniger als Männer, das sind bei einem Durchschnittseinkommen monatlich netto 500 Euro weniger. Selbst
bei gleicher Ausbildung, gleichem Alter, gleichem Beruf und Arbeit im gleichen Betrieb erhalten Frauen immer noch zwölf Prozent weniger Lohn. In der Privatwirtschaft liegt der Frauenanteil in Funktionen mit umfassenden Führungsaufgaben, also im Top-Management, bei nur fünf Prozent. In den Vorständen der DAX 30-Unternehmen gibt es nur eine Frau. Auch in den Aufsichtsräten der 200 größten deutschen Unternehmen außerhalb des Finanzsektors sind nur neun Prozent
der Aufsichtsratsmitglieder Frauen. Drei Viertel von ihnen vertreten die Arbeitnehmerseite.
Frauen arbeiten mehr Teil- als Vollzeit, und das vielfach unfreiwillig
Die Erwerbsquote von Frauen liegt in Deutschland bereits deutlich über dem europäischen Ziel von 60 Prozent. Gleichzeitig ist aber die Teilzeitquote von berufstätigen Frauen in Deutschland die zweithöchste in Europa. Nur jede sechste Frau mit Kindern unter 18 Jahren im Haushalt hat einen Vollzeitjob. Und mehr als 4,2 Millionen
Frauen arbeiten in Minijobs; sie machen fast zwei Drittel der geringfügig Beschäftigten aus. Frauen haben demzufolge auch eine geringere Absicherung im Alter: Ihr Netto-Alterseinkommen liegt im Durchschnitt bei 959 Euro; Männer kommen auf 1598 Euro.
Das ist weder gerecht noch im Interesse der Wirtschaft. In Deutschland werden wir infolge des demografischen Wandels bald händeringend nach qualifizierten Arbeitskräften suchen. Deshalb liegt es im Interesse der Unternehmen, die Potenziale der Frauen nicht ungenutzt zu lassen.
Wir wollen, dass Frauen stärker in allen Bereichen des Arbeitslebens tätig sind. Noch immer konzentrieren sich junge Frauen bei der Berufswahl auf die sogenannten weiblichen Berufe: Mehr als die Hälfte der Auszubildenden wird Verkäuferin, Arzthelferin, Sekretärin oder Hotel- und Gaststättenfachfrau.
Die Wirtschaft ist in punkto Gleichberechtigung längst die Nachhut der Gesellschaft.
Während in der Politik Frauen Ministerinnen oder Bundeskanzlerin werden, gibt es in den Vorständen der Konzerne offenkundig immer noch Vorbehalte. Während eine Frau Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts werden konnte, sind in den Aufsichtsräten von Unternehmen Männer fast immer noch unter sich. Damit schaden
sich die Unternehmen selbst. Studien zeigen, dass Unternehmen mit mehr Frauen in der Geschäftsführung bessere Ergebnisse erwirtschaften.

Wohin wir wollen
Frauen sind in der Wirtschaft tatsächlich gleichgestellt – das zeigt sich in Löhnen, Führungsetagen und der Erwerbsbeteiligung
Am Ende des neuen Jahrzehnts haben wir in Deutschland die tatsächlich Gleichstellung von Frauen und Männern erreicht. Wir leben in einer Gesellschaft, die sich durch mehr Teilhabe auch in Führungspositionen und gelebte Toleranz auszeichnet.
Auch dank des politischen Drucks durch eine SPD-geführte Bundesregierung ist die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern halbiert, weil wir den Mindestlohn umgesetzt haben. Dabei sind wir den Erfahrungen Großbritanniens gefolgt, wo sich die
Lohnlücke zwischen Frauen und Männer durch den gesetzlichen Mindestlohn von 16,1 Prozent innerhalb von neun Jahren auf 10,8 Prozent (2006) reduziert hat.
Frauen übernehmen verstärkt Führungsaufgaben in der Wirtschaft, ihr Spektrum bei der Berufswahl hat sich verbreitert. Das hat dazu beigetragen, die Folgen des demografischen Wandels zu mildern. Auch die Gefahr von Fachkräftemangel wurde dadurch gebannt.
Die Vollzeit- und die Teilzeitquoten von Frauen und Männern haben sich angeglichen.
Die Angebote für Kinderbetreuung haben sich überall in Deutschland so verbessert, dass Eltern und Alleinerziehende Familie und Beruf gut unter einen Hut bekommen. Familienfreundliche Arbeits- und Lebensphasenmodelle entlasten Frauen und Männer: Wer will, kann die Erziehungsaufgaben und die Sorge für die Kinder partnerschaftlich teilen.

Was wir tun müssen
Wenn wir im neuen Jahrzehnt tatsächliche Gleichstellung erreichen wollen, brauchen wir konkrete Zielvorgaben. Wir werden deshalb verbindliche Regeln, wirksame Instrumente und Anreize schaffen.

Einen verbindlichen Rechtsrahmen für die Privatwirtschaft schaffen – die Lohnlücke schließen
Die Erfahrung hat gezeigt, dass die freiwillige Vereinbarung mit der Wirtschaft zur Förderung der Chancengleichheit weitgehend folgenlos geblieben ist. Deshalb wollen wir ein einklagbares Recht schaffen, dass gleicher Lohn für gleiche Arbeit gezahlt wird. Um die Lohnlücke zu schließen, brauchen wir auch eine Überprüfung der Arbeitsbewertung. Diese darf nicht nach Geschlecht oder anderen Faktoren diskriminieren. Tarifparteien müssen sicherstellen, dass bei der Beschreibung von Berufen und der Bezahlung keine Diskriminierung vorliegt. Dazu brauchen wir eine Erweiterung der individuellen Rechtspositionen der betroffenen Frauen. Deshalb werden wir
das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz weiterentwickeln und einen verbindlichen Rechtsrahmen für die Privatwirtschaft vorlegen. Darin wird auch ein Verbot der unterschiedlichen Entlohnung von Frauen und Männern enthalten sein.

Mehr Frauen in Führungspositionen bringen – 40 Prozent-Quote für Aufsichtsräte
Der Frauenanteil in den Führungspositionen von Staat, Unternehmen und Wissenschaft muss steigen. Wir wollen deshalb in einem Gleichstellungsgesetz für die Aufsichtsgremien von Unternehmen einen Frauenanteil von 40 Prozent bis Ende 2014 vorschreiben. In Unternehmen mit staatlicher Beteiligung werden wir mit gutem Bei-
spiel vorangehen. Insbesondere bei Betrieben mit Bundesbeteiligung werden wir in einer SPD-geführten Bundesregierung alles daran setzen, bereits in der nächsten Berufungsrunde dieses Ziel zu erreichen. Für eine erfolgreiche Umsetzung des 40 Prozent-Ziels werden wir zusammen mit Gewerkschaften und Wirtschaftsverbänden
ein „board-readiness“ Programm für Frauen im oberen Management anbieten. Denn wir brauchen eine Professionalisierung von Aufsichtsräten. Das gilt für weibliche und männliche Aufsichtsratsmitglieder gleichermaßen.
Natürlich geht es uns nicht nur um die Besetzung von Aufsichtsräten. Ziel ist es, den Frauenanteil auch in Managementpositionen anzuheben. Wir können und wollen aber nicht alles regulieren. Die Erfahrung zeigt auch: Aufsichtsrätinnen achten darauf, dass Frauen bei der Besetzung von Managementpositionen berücksichtigt werden.
Darauf setzen wir.
Eine SPD-geführte Bundesregierung wird mit gutem Beispiel vorangehen: Die Hälfte der Kabinettsmitglieder werden Frauen sein.

Berufsperspektiven und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern
Gleichberechtigung am Erwerbsleben setzt für Frauen (und Männer) voraus, dass alle qualifizierte und gut bezahlte Berufe ergreifen können, die vereinbar sind mit den Anforderungen des Familienlebens. Damit das funktioniert, brauchen Frauen am Beginn des Berufslebens mehr Angebote und Informationen, welche Möglichkeiten und
Branchen ihnen offen stehen. Verbessert werden müssen familiengerechte Arbeitszeitmodelle und arbeitsplatzgerechte Betreuungsangebote. Wir werden die Beratung und Orientierung von Frauen und Mädchen in nichttraditionellen Berufen stärken.
Wir wollen es Frauen und Männern ermöglichen, ihre Arbeitszeit an die Familien- und Lebenssituation anzupassen: mit Teilzeit, die auch berufliche Qualifizierung ermöglicht. Mit besseren Rechten für die Rückkehr in Vollzeitbeschäftigung. Wer Elterngeld bezieht, soll dennoch etwas mehr in Teilzeit arbeiten können. Wir wollen mit einem
Familie- und Pflegeteilzeitgesetz die Bedingungen für Familie und Beruf verbessern.
Wir werden darauf drängen, dass der Ausbau der Kinderbetreuung schneller vorangeht. Wir wollen den ab 2013 geltenden Rechtsanspruch auf frühkindliche Betreuung zu einem Ganztagesbetreuungsanspruch entwickeln. Das Angebot an Ganztags-
schulen muss flächendeckend ausgebaut werden. Wir setzen uns auch für den Ausbau von Betriebskindergärten ein.

Finanzielle Anreize richtig setzen – ein klares Nein zur „Herdprämie
Staatliche Leistungen müssen sich am wirklichen Leben und den Bedürfnissen der Menschen orientieren. Ein Betreuungsgeld als „Herdprämie“ wird es darum mit uns nicht geben. Deshalb werden wir auch das Ehegattensplitting verändern: Die Steuerlast soll zwischen den Eheleuten gerecht verteilt werden, und für jeden Ehepartner,
gerade auch für die Frau, soll es Anreize geben, eine qualifizierte Erwerbstätigkeit auszuüben. Die sozial ungerechte Splittingwirkung, die sich bei Eheleuten mit hohem Einkommen besonders stark auswirkt, wollen wir durch eine Kappung des Splittingvorteils entschärfen.

Hier der Deutschlandplan komplett

 

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