Feminismus und Digitalisierung

Veröffentlicht am 02.02.2015 in Bildung & Kultur

Vielleicht als allererstes: Ich bin Informatikerin, netzaktiv und Feministin. Das schafft Konflikte. Und ist gleichzeitig die logisch zwingende Konsequenz. Warum? Dazu muss ich ein bisschen weiter ausholen:

Zunächst die Ausgangslage: Ich bin als (nahezu) einzige Frau in einem überwiegend männlichen Interessen- und Berufsfeld tätig. Eigentlich habe ich mich bereits ziemlich daran gewöhnt und fühle mich auch wohl  – aber ab und zu merke ich schon, dass ich in die gedanklichen Schubladen, die viele Menschen mit „Männlein“ oder „Weiblein“ beschriftet haben, nicht so wirklich reinpasse.

Beispielsweise wenn mich ein älterer Herr nach einem wissenschaftlichen Vortrag anspricht, „warum ich denn bitte Informatik studiert habe“. Ich erzähle dann munter, wie spannend ich das finde. Er unterbricht mich und sagt: „Nein, das meinte ich nicht, weil… Sie sind doch hübsch, Sie hätten auch so einen Mann gekriegt.“ Wirklich, das ist schon passiert! Er hat das vermutlich als Kompliment gemeint, ich war allerdings kurz davor, handgreiflich zu werden.

Das ist natürlich keine Option. Aber was sonst tun? Verwirrt schauen und weggehen und sich komisch fühlen? Das habe ich in dem Moment gemacht. Die schlaue Erwiderung „Na ja, dann hätte ich ja im schlimmsten Fall noch einen wie Sie abgekriegt“ ist mir erst viel viel später eingefallen und ehrlich gesagt hätte sie auch nicht viel geholfen.

Ich tue offensichtlich etwas, was „nicht normal für eine Frau” ist (und es macht mir auch noch Spaß). Dafür werde ich misstrauisch beäugt oder komisch angemacht. Und das ist kein Einzelfall. Wir reden jetzt mal nicht von meiner Fachschaft, die sich einen Spaß daraus gemacht hat (und immer noch macht), dass ich ja „ein Mann“ sei (weil es gäbe ja keine Informatikerinnen, sondern nur Informatiker mit Brüsten). Oder von unserer Sekretärin, die mir am ersten Tag in meinem Job erzählt hat, wie toll es doch sei, dass hier endlich auch mal eine Frau arbeite, weil dann könne ich ihr ja auch beim Abspülen helfen. Ja, ich habe den Highscore in der Liste mit den lustigsten Geschichten inne. Und die ist LANG.

Ein interessanter Punkt ist übrigens, dass ich es in Teilen wirklich auch noch lustig finde. Aber eigentlich – wie bei anderen dummen Sprüchen auch – finde ich es nur solange lustig, wie ich weiß, dass es nicht ernst gemeint ist. Ab und zu kommt trotzdem dieses Gefühl hoch, nicht erwünscht zu sein oder aus irgendwelchen Gründen, so wie ich bin, nicht dazu zu passen. Und außerdem generell betrachtet: Nur weil ich damit in der Regel klar komme, heißt das nicht, dass es nicht generell abschreckend ist.

Irgendwann kommt dann logisch zwingend der Punkt, an dem frau sich fragt, warum das denn jetzt eigentlich so ist, wie es ist. Und dieses große Wort UNFAIR drängt sich auf. Ungerecht. Und da sind wir mittendrin in der Feminismus-Diskussion.

 

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