Bild: Georg Wagenbrenner Ein gut gefüllter Ratssaal bildete den würdigen Rahmen für die Gedenkfeier zum 100. Geburtstag der 1999 verstorbenen, langjährigen Würzburger Politikerin.
Georg Rosenthal betonte in seiner Rede bei der
Veranstaltung unter dem Motto "Für die Demokratie bilden - in
Solidarität miteinander leben“ besonders die Anfänge von Gerda Laufers politischem Engagement.
Walter Kolbow, heute Vorsitzender der Gesellschaft für
Politische Bildung, ein Amt, das 28 Jahre lang Gerda Laufer ausfüllte,
beschrieb detailliert den erfolgreichen Einsatz Laufers beim Ausbau
dieser Einrichtung.
Karin Pranghofer stellte in ihrer Rede den Zusammenhang mit Emanzipation und Chancengleichheit her.
Hier die Rede von Karin Pranghofer:
Gerda Laufer wird 100.
Was müssen sie tun, um bei Gerda mitzumachen?
So lautete die Frage zum Mentoring Projekt der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen im Jahr 2006.
Gerda – so nannte die ASF das Projekt - Gerda Laufer, stand Pate als man versuchte interessierte Frauen den Weg in die Politik aufzuzeigen.
Denn Gerda Laufer, war diesen Weg in die Politik so gegangen – von der Parteifrau, zur Stadträtin, zur Landtagsabgeordneten und von der engagierten Bürgerin bis hin zur Förderin bestimmter Bereiche selbst gegangen. Ihr Beispiel sollte also bei der Aktion „GERDA“ die Frauen überzeugen, sich zu engagieren, in Parteien und Organisationen mitzumachen und sich vor allem wählen zu lassen.
Ich glaube in der Tat, Gerda Laufers Lebensweg ist sehr gut geeignet, sich anstecken zu lassen. Ich will nun nicht wiederholen, was schon über Gerda Laufer gesagt wurde, sondern ich möchte, dass wir uns vielleicht ein wenig anstecken lassen von ihrem Tun und ihrem Engagement.
Ich stelle mir deshalb die Frage: Was wäre Gerda Laufers Rolle heute, wenn sie heute noch politisch in der SPD , im Stadtrat, im Landtag uns sonstwo in den Organisationen aktiv wäre?
Gerda Laufer hatte für mich drei Grundeigenschaften, die in der politischen Arbeit sehr wichtig sind:
1. Gerda Laufer war authentisch. Eine Eigenschaft, die vor allem Vertrautheit bei den Menschen und Wählern schafft und die Politiker gut wählbar macht.
2. Gerda Laufer redete nicht nur über Politik, sondern sie gestaltete und lebte sie. Ich bin mir sicher: Sie wäre heute nicht nur aktives Mitglied der Würzburger Arbeiterwohlfahrt, sondern Gerda Laufer wäre auch eine Kämpferin gegen die zunehmende Armut in unserem Land und sie würde konkrete Projekte anstoßen, die den einzelnen Menschen helfen und sie weiterbringen.
3. Gerda Laufer wäre aber auch eine Politikerin, mit Visionen. Sie hatte in ihrem Leben gut erkannt, dass der Schlüssel für die Emanzipation einer Gesellschaft, die Bildung ist. Als Gründungsmitglied der Gesellschaft für politische Bildung stellte sie diesen Zusammenhang damit dann auch unter Beweis.
Gerda Laufer wäre also heute ganz sicher eine engagierte Mitstreiterin und Aktivistin für gleiche Rechte und Chancengerechtigkeit in unserem Land. Mitstreiterin für gleiche Rechte vielleicht auch deshalb, weil sie zweimal den Aufbau einer Demokratie miterleben musste.
Als 9 Jährige, wie nach dem Sturz der Monarchie und den Wahlen der verfassungsgebenden Nationalversammlung im Jahr 1919 leider nur eine, wie ich meine, „Ersatzmonarchie“, aber keine Demokratie geschaffen wurde. Und ganz sicher bewusst 1945, als 35 Jährige, nach dem Zusammenbruch des Nationalsozialismus, wo auch Würzburg in Schutt und Asche lag und die Demokratie nach dem Nationalsozialismus wieder aufgebaut werden musste.
Vielleicht waren es diese Momente der Geschichte die sie dann später so hartnäckig am Wiederaufbau eines demokratischen und sozialen Rechtsstaates arbeiten ließen.
Meine Damen und Herren,
ich habe gelesen, Gerda Laufer, war wie ich Bildungspolitikerin im Landtag. Insofern könnten wir heute gemeinsam vielmals die Hochschule besuchen und ich bin mir sicher Gerda Laufer wäre auch eine der ersten gewesen, die die Studenten bei ihren Protesten unterstützt hätten.
Interessantes Detail: Gerda Laufer hat, wie wir heute, für eine Gemeinschaftsschule in Bayern gekämpft. Damals ging es um einen gemeinsamen Unterricht der beiden Konfessionen (dafür stand damals die Gemeinschaftsschule) heute ist unsere Gemeinschaftsschule eine Schule für Alle, in der Kinder länger gemeinsam lernen und bessere Bildungschancen erhalten.
Ich stelle fest: Gerda Laufer hat sich damals mit der Gemeinschaftsschule durchgesetzt.
Ich hoffe, dass wir mit der Durchsetzung der Gemeinschaftsschule dies baldmöglichst auch in Bayern tun.
Nicht der Rückzug in die Familie war ihre Sache, wie es die konservative Seite gerne nach den ersten Aufbaujahren nach dem 2. Weltkrieg für Frauen gehabt hätte.
Nein! Gerda Laufer war selbstbewusst genug, auch in der SPD, dafür zu sorgen, dass sich Frauen einmischen und Frauen sich in Führungspositionen wählen lassen.
Ich hatte vor wenigen Tagen ganz zufällig die Gelegenheit mit unserem ALT –OB in Aschaffenburg, Dr. Willy Reiland zu sprechen. Und ich habe ihn, weil ich wusste, dass er mit Gerda Laufer im Landtag war, gefragt: Wie er sie im Landtag erlebt hatte?
Zusammengefasst und verkürzt antwortete er mir:
Gerda Laufer, war von der Popularität die „Barbara Stamm der SPD“. Nur sie war resoluter und durchsetzungsfähiger.
Wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hatte, oder etwas gegen ihren Strich ging, dann hatte man das schon gemerkt.
Meine Damen und Herren, und ich möchte schon erinnern. Gerda Laufer war damals eine Frau von Wenigen. Aber, das war ansteckend!
Inzwischen haben wir im Bayerischen Landtag einen Frauenanteil von aktuell 31 Prozent. Bei der SPD sogar von 46,2 Prozent, die CSU liegt bei 20,7 Prozent.
Ja, meine Damen und Herren, Gerda könnte mit uns heute an vielen Aufgaben arbeiten und ich bin sicher, sie wäre dabei!
Sorgen wir deshalb dafür, dass wir die wichtigen Dinge im Leben, in Ihrem Sinne – im Sinne von Gerda Laufer - weiter bringen.
Gerda hat gezeigt, was Sozialdemokraten bewirken können. Nehmen wir uns an ihr ein Beispiel. Sie kann für uns ein wirkliches Vorbild sein!