Gläserne Decke aus Panzerglas

Veröffentlicht am 13.07.2010 in Allgemein

Führen und Entscheiden sind Männersache. Jedenfalls gewinnt man diesen Eindruck, wenn man ins deutsche Topmanagement und die Zusammensetzung in den Aufsichtsräten schaut. Gegen den „male-stream“ hilft nur eine Quote. Norwegen hat es vorgemacht.

In deutschen Aufsichtsräten und Vorständen sind unter ein Prozent Frauen vertreten. Daran hat sich in den letzten 10 Jahren trotz freiwilliger Selbstverpflichtung ("Corporate Governance Kodex") deutscher Unternehmen, eine Erhöhung des Frauenanteils anzustreben, nicht viel geändert. Eine gesetzliche Quote könnte diesem Missstand ein Ende bereiten. Norwegen ging bereits mit gutem Beispiel voran, wie die von der Friedrich-Ebert-Stiftung in Auftrag gegebene Studie „Women on Board“ darlegt. Sie wurde Anfang Juli in Berlin vorgestellt.

Kein Erfolg ohne Sanktion
Seit 2003 sind norwegische Unternehmen verpflichtet, einen Anteil von 40 Prozent Frauen in ihren Aufsichtsräten zu haben. Das Anliegen wurde von einer breiten politischen Mehrheit unterstützt: dem Konservativ-Mitte Regierungsbündnis, der oppositionellen Arbeiterpartei und der sozialistischen Linkspartei.

Die Quotenregelung wurde nicht im Gleichstellungsgesetz verankert, sondern im Unternehmensgesetz. Ein Ergebnis der FES-Studie belegt, dass die Quote deswegen so erfolgreich umgesetzt werden konnte, weil den Unternehmen bei Nichteinhaltung der Quotenregelung sanktioniert werden. „Die Sanktionen können bis zur Unternehmungsauflösung reichen“, sagt Cilia Ebert-Libeskind, zuständig für die Internationale Politikanalyse der FES. Der Fall sei allerdings nicht eingetreten. Die Unternehmen hatten vier Jahre zur Umsetzung Zeit und 2009 wurde das angestrebte Ziel erreicht.

Alte Zöpfe abschneiden
Was kann die deutsche Politik leisten? Manuela Schwesig, Ministerin für Soziales und Gesundheit in Mecklenburg-Vorpommern, sagt, dass sich „durch eine Quote auch die Unternehmenskultur“ ändern kann. Die freiwillige Selbstverpflichtung hat keinen Erfolg gezeigt. „Mit ein bisschen Quote, ein bisschen Zwang und ein bisschen Erfolg kommt man nicht weit“, sagt sie weiter. Gerade im Hinblick auf den demografischen Wandel und nachhaltiger Wirtschaftsförderung „brauchen wir mehr als homosoziale Reproduktion“, so Schwesig. Ein Phänomen, wonach sich männliche Entscheider oft für männliche Bewerber und gegen Frauen entscheiden.

In einer Umfrage der Zeitschrift Capital stimmten 88 Prozent der Leser einer Quote zu, die Cosmopolitan hat einen offenen Brief verfasst. Viele Organisationen unterstützen das Anliegen, im Justizministerium bestünde eine Arbeitsgruppe. Die Bundesregierung, so Schwesig, nehme dies aber nicht wahr, obwohl jetzt die Gelegenheit wäre, das Thema anzupacken.

Mehr Frauen, mehr Produktivität
Die Quote sei in der SPD zwar ein alter Hut, sagt die SPD-Bundestagsabgeordnete Eva Högl, aber auch hier müsse sie immer wieder verteidigt werden. Högl geht sogar noch weiter: Sie ist für Quoten-Parität, schließlich machen Frauen auch 51 Prozent der Weltbevölkerung aus.

Selbst den Männern in Unternehmen, so Högl weiter, wäre es zunehmend peinlich, wenn sie bei internationalen Treffen als geschlossen Männerriege auftreten. Nicht umsonst hat das Managementkonzept Diversity in Unternehmen Hochkonjunktur.

Die Telekom hat die Zeichen der Zeit erkannt. Durch die Einführung einer Quote von 30 Prozent Frauen in Führungspositionen, konnte sie ihr Image enorm verbessern. Als einziges im DAX notiertes Unternehmen in Deutschland hat sich die Telekom medienwirksam als modern und talentorientiert positioniert. Mechthilde Maier, Leiterin Group Diversity bei der Telekom, beschreibt, dass der „Imagewechsel“ notwendig war, nicht zuletzt um als Arbeitgeberin attraktiv zu bleiben. Sobald Frauen in den Aufsichtsräten repräsentiert seien, ändere sich „das Klima in diesen Gremien“, was sich auch auf das Unternehmen als Ganzes auswirke. Gemischte Teams seien innovativer und produktiver. Dies bestätigt auch eine aktuelle Studie von McKinsey: Unternehmen mit einem höheren Anteil von Frauen in Führungspositionen sind um 48 Prozent wirtschaftlich erfolgreicher.

Die Studie "Das norwegische Experiment – eine Frauenquote für Aufsichtsräte" finden Sie unter "Die Studie "Das norwegische Experiment – eine Frauenquote für Aufsichtsräte" finden Sie unter http://library.fes.de/pdf-files/id/ipa/07310.pdf
Mehr zu den Themen Entgeldgleichheit und Frauen in Führungspositionen unter http://www.entgeltgleichheit.de/ und unter http://www.boeckler-boxen.de/5438.htm