Gleichstellung der Geschlechter im Gesundheitsbereich

Veröffentlicht am 02.03.2017 in Europa

Wissenschaftliche Studien belegen die Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern hinsichtlich des Gesundheitszustands, hinsichtlich der gesundheitsbezogenen Verhaltensweisen und hinsichtlich des Zugangs zu Gesundheit und medizinischer Behandlung. Dies tritt etwa bei Herzerkrankungen oder beim Schmerzempfinden offen zutage. 


Obwohl mehr als die Hälfte der Bevölkerung in der Europäischen Union Frauen sind, wurden diese Unterschiede in der medizinischen Forschung bisher kaum berücksichtigt. Vielmehr verharrt die biomedizinische Forschung weiterhin in der stillschweigenden Annahme, dass Frauen und Männer, abgesehen von ihren Fortpflanzungsorganen, physiologisch in jeglicher Hinsicht ähnlich sind und ignoriert dabei biologische, soziale und geschlechtsbedingte Unterschiede, die einen erheblichen Einfluss auf die Gesundheit haben.

Unterschiede zwischen Frauen und Männern zeigen sich auch hinsichtlich der Muster, der Häufigkeit und des Auftretens weit verbreiteter psychologischer Störungen, wie Depression oder Angstzuständen. Aufgrund ihres Geschlechts haben Frauen und Männer in unterschiedlichem Maße Macht und Kontrolle über sozioökonomische Faktoren, die ihre psychische Gesundheit und ihr Leben bestimmen. Insbesondere ihre soziale Stellung, ihren Status und ihre Behandlung durch die Gesellschaft sowie ihre Empfänglichkeit für bestimmte psychische Gesundheitsrisiken und ihre Gefährdung, an ihnen zu erkranken. Frauen nehmen erwiesenermaßen mehr Psychopharmaka ein als Männer. Dennoch gibt es nur sehr wenige Studien über die geschlechterspezifischen Unterschiede in der Wirkung dieser Arzneimittel.

Deshalb hat das Europäische Parlament die Europäische Kommission und die Mitgliedstaaten aufgefordert, eine ehrgeizige neue Strategie für die psychische Gesundheit aufzulegen, mit der ein ganzheitliches Konzept mit einer starken geschlechtsspezifischen Dimension gefördert wird. Außerdem verurteilt das Europäische Parlament in diesem Zusammenhang ausdrücklich stereotype Frauenbilder in der Werbung, weil Frauen durch gesellschaftlichen Druck eine derart verzerrte Selbstwahrnehmung haben können, dass sie an Ess- und Verhaltensstörungen wie Anorexie, Bulimie, Orthorexie, eine Binge-Eating-Störung und Vigorexie erkranken.

Zudem betont das Europäische Parlament, dass klinische Prüfungen von Arzneimitteln an Männern und an Frauen durchgeführt werden müssen.

Die Resolution wurde mit 364 Ja-Stimmen, zu 171 Nein-Stimmen und sage und schreibe 155 Enthaltungen angenommen. Es gab demnach immerhin 326 Abgeordnete, die sich nicht zu einem „Ja“ durchringen konnten.
Der Grund dafür wird sicherlich in den im Resolutionstext verwendeten Begriffen, wie „sexuelle und reproduktive Rechte“, „zuverlässige, sichere und erschwingliche Verhütung“ und „umfassende Sexual- und Beziehungserziehung“ liegen.

Begriffe also, die einem jeden Erzkonservativen beim Lesen den kalten Schweiß auf die Stirn treiben. So hat etwa von den 34 deutschen Abgeordneten von CDU/CSU lediglich ein einziger für diese Resolution gestimmt. 

Den Text findet ihr hier: http://www.europarl.europa.eu/sides/getDoc.do?type=TA&reference=P8-TA-2017-0028&language=DE&ring=A8-2016-0380

 

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