Peer Steinbrück macht Frauenpolitik

Veröffentlicht am 10.12.2012 in Wahlen

Auszug aus der Rede vom 9.12.2012
Der Fortschritt einer Gesellschaft, liebe Genossinnen und Genossen, bemisst sich maßgeblich daran, wie Frauen und Männer in der Gesellschaft miteinander leben und arbeiten. Die Gerechtigkeitsfrage ist vor allem auch eine Frage der Gleichberechtigung und
Gleichstellung von Frauen und Männern.
Erst wenn Frauen ein größeres Selbstbestimmungsrecht darüber gewinnen, eine eigene Berufsbiographie zu schreiben, mit den gleichen Aufstiegsmöglichkeiten wie Männer, sind wir eine moderne und gleichberechtigte Gesellschaft.
Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren, bedeutet für die meisten Frauen aber nach wie vor – das ist die Realität -, dass sie eine Teilzeitstelle annehmen müssen, obwohl viele beruflich durchstarten und eine eigene Karriere schreiben wollen. Nur wenige Frauen
machen in Deutschland Karriere ohne einen Vollzeitjob.
Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf durch den Ausbau der Kinderbetreuung ist ein wichtiger, aber nur ein halber Schritt. Der ganze Schritt in eine moderne, gleichberechtigte Gesellschaft wird nur gelingen, wenn wir für beide Geschlechter buchstabieren, was Kind
und Karriere bedeuten.
Nicht nur deshalb ist das Betreuungsgeld, über das schon viel gesagt worden ist, Gift. Es ist insbesondere auch deshalb Gift, weil es Deutschland ungerechter machen wird und in einem völlig überholten Gesellschaftsbild einsperren wird. Deshalb ist dieses
Betreuungsgeld so falsch!
Das Frauen- und Familienbild, das CDU/CSU haben, das stammt eben aus dem Maggi-Kochstudio der 50er-Jahre.

Aber da sind wir alle nicht mehr.
Es gibt zwei große Lebensfragen, vor die wir alle schon gestellt worden sind bzw. eines Tages gestellt werden. Die erste große Lebensfrage ist: Was willst Du beruflich machen?
Die zweite Frage ist: Mit wem willst Du leben und willst Du Kinder? Das sind die beiden großen entscheidenden Lebensfragen. Wir müssen zur Beantwortung dieser beiden großen Lebensfragen als Sozialdemokraten Antworten entwickeln, die weder Frauen noch Männer in einem „Entweder-Oder“ einsperren, sondern ihnen Optionen, Wahlmöglichkeiten eröffnen.
Wir haben eben nur dieses eine Leben, und in dem muss es möglich sein, beide große Lebensfragen übereinander zu bringen. Junge Berufstätige wünschen sich zunehmend ein ausbalancierteres Verhältnis von Beruf und Familie in den Turbojahren 25 bis 40. Aber
anschließend, nach diesen Turbojahren, wenn sich die Lebensverhältnisse etwas geändert haben, sind viele weiter motiviert und sagen: Ich will beruflich noch mal anpacken! Vollzeit!
Karriere machen, noch mal nach vorne kommen! Darauf müssen wir flexiblere Antworten finden.
Eine Antwort, auf die Andrea Nahles mich gebracht hat, ist, ob wir als Sozialdemokraten nicht auch politisch und öffentlich fordern sollten, dass es in diesen Turbojahren zwischen 25 und 40 für Frauen und Männer sehr viel stärker die Möglichkeit einer 30-Stunden-Woche
gebe sollte, die ihnen ein ausbalancierteres Verhältnis zwischen Beruf und Familie ermöglicht.
Um nicht nur Beruf und Familie, sondern auch Kind und Karriere in Übereinstimmung zu bringen, brauchen wir eine Frauenquote. Darüber habe ich vor sechs oder sieben Jahren noch anders gedacht, aber inzwischen wird es notwendig sein.
Nun weiß ich allerdings mit euch, dass man einen so weitreichenden gesellschaftlichen Wandel nicht einfach per Gesetz beschließen und gesellschaftliche Mentalitäten nicht durch einen Knopfdruck verändern kann. Aber man kann einen solchen Prozess politisch
gestalten und durch die Gestaltung der öffentlichen Debatte beeinflussen. Und man kann Rahmen setzen. Deshalb wird in meinem Kanzleramt eine Staatsministerin für die Gleichstellung von Frauen und Männern zuständig sein.

 

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