Wie die Frauenquote der SPD das Land veränderte

Veröffentlicht am 31.08.2018 in Allgemein

Am 30. August 1988 votierte die SPD nach jahrzehntelanger Auseinandersetzung für die Frauenquote. Nicht alle Sozialdemokratinnen waren damals begeistert. Doch heute sagen die meisten: Die 40-Prozent-Quote für Frauen und Männer hat sich bewährt.

Beim Blick zurück auf 30 Jahre Frauenquote bei der SPD sagt Herta Däubler-Gmelin: „Vor der Quote haben die Männer immer gesagt, leider, leider haben wir keine Frauen, die bereit sind, zu kandidieren. Das änderte sich dann ganz schnell. Vor allem in die lokalen Parlamente zogen die Frauen ein und sorgten dafür, dass der Alltag der Familien besser wurde, durch andere Kindergarten-Öffnungszeiten, durch Busverbindungen, die besser angepasst waren an Schul- und Arbeitszeiten.“ Die spätere Bundesjustizministerin wurde auf diesem denkwürdigen „Quoten- Parteitag“ am 30. August 1988 in Münster zur ersten weiblichen stellvertretenden Parteivorsitzenden gewählt.

Sozialdemokratinnen fürchteten die „Quotenfrau“

Auch das eine Folge des Quotenbeschlusses, denn Vorsitz und Stellvertreter, das war bis zu diesem Tag reine Männersache. Hans-Jochen Vogel war damals Parteivorsitzender und stand auf der Seite der Frauen – was wahrlich nicht für alle Genossen galt. Denn jeder Platz für eine Frau war einer weniger für einen Mann. Es war also ein Machtkampf, der sich hinter den Kulissen abspielte.

Und auch nicht alle Politikerinnen waren begeistert. Sie fürchteten den Aufkleber „Quotenfrau“. Dennoch kam die notwendige Zweidrittel-Mehrheit zustande. Mit 362 gegen 54 Stimmen wurde die Frauenquote abgesegnet. Eine der unermüdlichen Kämpferinnen für die Quote war Inge Wettig-Danielmeier. Von 1981 bis 1992 war sie Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF). Ohne ihren und den Einsatz von Karin Junker wäre die Frauenquote - wie ursprünglich geplant - im Jahre 2013 ausgelaufen. Beide hatten sich beim Berliner Parteitag erfolgreich für eine Entfristung eingesetzt. Seit 1988 also gilt in der SPD: Mindestens 40 Prozent der Ämter sowohl für Frauen wie für Männer. Fortschrittlicher in Sachen Frauenanteil waren damals nur die Grünen. In ihrem Gründungsstatut steht eine Frauenquote von 50 Prozent.

Es geht doch schneller mit Quote

Ingrid Matthäus-Maier, die 1982 nach dem Ende der sozialliberalen Koalition von der FDP zur SPD übertrat, ist heute eine entschiedene Befürworterin der Frauenquote. Das war nicht immer so. Ihr „Erweckungserlebnis“ hatte sie 1981, als die neugewählte norwegische Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland dank Quote ihr Kabinett paritätisch mit Frauen und Männern besetzte. „Es geht also doch schneller mit Quote“, lernte sie. Heute ist sie beunruhigt, weil das Thema nur noch eine Randrolle spielt: „Viele Dinge hält man für selbstverständlich, was sie nicht sind. Man muss immer kämpfen, denn nur wenig ist von Dauer.“

Ein Beispiel dafür ist der Frauenanteil im Bundestag: Er ging bei den letzten Wahlen von 36,5 auf 30,7 Prozent zurück. Das liegt am extrem niedrigen Frauenanteil bei CDU/CSU, FDP und AfD. Die SPD hat sich mit 42 Prozent gut geschlagen. Bei der Linken (54 Prozent) und den Grünen (58 Prozent) sind die Frauen sogar in der Mehrheit.

Den Boden bereitet für weibliche Politikkarrieren

Der Quotenbeschluss von Münster hat die SPD verändert, hat – wenn es auch dauerte – den Boden bereitet für weibliche Politikkarrieren, die damals in Münster noch unvorstellbar waren. Mit Andrea Nahles wurde zum ersten Mal eine Frau in der SPD Partei- und Fraktionsvorsitzende. Die Zeiten, in denen man Politikerinnen auf „Familie und Soziales“ beschränkte, sind in allen Parteien mit Ausnahme des rechten Männerclubs AfD vorbei.

Seit ihrer Gründung hat die SPD für Gleichberechtigung gekämpft. Sie hat 1918 das Frauenwahlrecht durchgesetzt. In den ersten Jahrzehnten nach Gründung der Bundesrepublik sah es allerdings nicht gut aus für politisch engagierte Frauen, auch in der SPD nicht. Das besserte sich langsam während Willy Brandts Regierungszeit. Aber immer noch schafften es viel zu wenige Sozialdemokratinnen in die Parlamente und dort blieben sie weitgehend beschränkt auf soziale Themen. Auch das war ein Grund für den Quotenbeschluss von Münster: Man wollte für die Wählerinnen, die sich in diesen Männerparlamenten nicht repräsentiert sahen, attraktiver werden.

Ruanda: 61 Prozent Frauen im Parlament

Im internationalen Vergleich sieht Deutschland bis heute nicht sonderlich gut aus. Nicht einmal ein Drittel der Abgeordneten im Bundestag sind Frauen. Das ist nicht nur in fortschrittlichen skandinavischen Ländern weitaus besser, sondern auch in Spanien mit knapp 40 Prozent und in Frankreich mit 38,8 Prozent. Mit dem höchsten Frauenanteil kann sich eine afrikanische Republik, gerne „Entwicklungsland“ genannt, schmücken: In Ruanda liegt der Frauenanteil im Parlament bei 61 Prozent!

Quelle:Vorwärts

 

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