Frauenboom in den Medien – eine Illusion!

Veröffentlicht am 26.07.2010 in Allgemein

Auch wenn immer mehr weibliche Gesichter als Ansagerinnen und Moderatorin-nen auf der „Mattscheibe“ vertreten sind, entspricht dies nicht den tatsächlichen Einflussverhältnissen von Frauen in der Medienbranche. So waren im Jahr 2005 im journalistischen Bereich nur 28 Prozent der Ressortleitungen und nur 22 Prozent der Chefredaktionen weiblich besetzt. Und dies obwohl 50 Prozent der Volontäre und knapp 40 Prozent der Beschäftigten in den Redaktionen Frauen sind.

An diesem Ergebnis haben auch Frauenförderpläne in den öffentlich-rechtlichen Anstalten nur wenig ändern können. Beim Bayerischen Rundfunk zum Beispiel waren nach dem Gleichstellungsbericht 2008 nur 24,4 Prozent der Führungspositionen weiblich besetzt. 2005 waren es noch 25,4 Prozent. Der Trend geht weiter abwärts. Seit 2003 gibt es keine Direktorin mehr im Bayerischen Rundfunk. Fast jede zweite Frau, die im Bayerischen Rundfunk fest angestellt ist, arbeitet in den niedrigen Gehaltsgruppen.
Bei den Privatsendern arbeiten mehr Frauen, auch in journalistischen Führungspositionen. Jedoch sind die Stellen dort für Männer oft weniger interessant, weil sie häufig nicht so gut bezahlt sind. In den gut dotierten betriebswirtschaftlichen Führungspositionen der privaten Medienunternehmen finden sich überwiegend Männer. „Weltweit am geringsten“ ist laut Prof. Romy Fröhlich von der LMU München der Anteil von Frauen in Führungspositionen in den Printmedien. Besonders ungünstig ist die Situation bei den Tageszeitungen.
Auch in den Sendeanstalten sind Frauen aber keineswegs gleichgestellt: So sind im Rundfunkrat des Bayerischen Rundfunks derzeit nur 13 der 47 Mitglieder Frauen, was einem Anteil von rund 28 Prozent entspricht. Im Medienrat der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien liegt der Frauenanteil ebenfalls nur bei 25 Prozent.
Angesichts dieser Fakten fordert der Bayerische Landesfrauenrat:

1. Die politischen Entscheidungsträger müssen mit politischem Druck nachhelfen und gesetzliche Regelungen für die freie Wirtschaft erlassen, um die Gleichstellung von Frauen in Führungspositionen aller Medienunternehmen zu erreichen.

2. Die politische Parteien und die jeweiligen Entsendeverbände müssen auf Geschlechtergerechtigkeit in den Gremien der Rundfunk- und Medienanstalten achten und deshalb verstärkt Frauen entsenden. Eine Quoten-Regelung wie etwa nach dem Beispiel des Radio-Bremen-Gesetzes ist zu überdenken und weiterzuentwickeln.

3. Im Sinne der Vereinbarkeit von Familie und Beruf müssen bessere Kinder-betreuungsmöglichkeiten eingerichtet werden. Auch in der Medienbranche sind die Arbeitgeber aufgefordert, diesbezügliche Angebote zu entwickeln bzw. mit anderen Trägern zu kooperieren.

4. Die privaten Medienanstalten sollten ebenfalls auf eine höhere Repräsentanz von Frauen in den Führungsebenen der privaten Medienunternehmen hinwirken.

5. Möglichkeiten zur „Führung in Teilzeit“ sind in allen Medien- und Verlagshäusern einzurichten und durch betriebliche Vereinbarungen abzusichern.

6. Frauen sind durch Mentoring- und Coaching-Programme darin zu unterstützen, sich für Führungspositionen zu qualifizieren. Die öffentliche und betriebliche Förderung ist deutlich auszuweiten.

7. Die Frauen in den Medienberufen sind aufgerufen, sich gut zu positionieren, sich zu vernetzen und sich für Führungspositionen zu bewerben.

Pressemitteilung des Bayerischer Landesfrauenrats