Frauen sorgen fürs Geld - und die Familie

Veröffentlicht am 29.07.2010 in Allgemein

In Ost- wie Westdeutschland übernehmen immer mehr Frauen die finanzielle Verantwortung für die Familie. Ein Rollentausch der Geschlechter ist damit in der Regel nicht verbunden. Die beiden Wissenschaftlerinnen Ute Klammer, Professorin an der Universität Duisburg-Essen, und WSI-Forscherin Christina Klenner haben zusammen mit ihren Mitarbeiterinnen untersucht, wie Frauen in eine solche Rolle kommen, wie sie diese erleben - und ob sich dadurch ihr Arbeitspensum in Haushalt und Familie reduziert.

In ganz Deutschland nimmt der Anteil der Frauen zu, die Haupternährerinnen sind. Das heißt nach der Definition der Forscherinnen: Sie tragen mindestens 60 Prozent zum Familieneinkommen bei. Frauen werden überwiegend unfreiwillig Familienernährerinnen, entweder als Partnerinnen von arbeitslosen oder prekär beschäftigten Männern - oder als allein Erziehende.

Doch auch mit Partner bleiben Frauen, die den Löwenanteil des Familieneinkommens erwirtschaften, im Regelfall Hauptzuständige für die Versorgung der Kinder und des Haushalts.
Die Partner von Familienernährerinnen übernehmen aber einen größeren Teil der Hausarbeit als Männer in anderen Konstellationen. Auch in der Kinderbetreuung sind sie etwas stärker engagiert als andere Männer.

Erklären lässt sich die leichte Verschiebung der häuslichen Arbeitsteilung entweder mit der pragmatischen Einstellung mancher Paare, so die Analyse der Wissenschaftlerinnen: Der Partner, der weniger Erwerbsarbeit leistet, übernimmt mehr häusliche Aufgaben. Oder das Paar hat weniger traditionelle Rollenvorstellungen. Dann entscheidet es sich ganz bewusst - meist zeitweise - für die Familienernährerinnen-Rolle der Frau.

Die meisten streben ein Zwei-Verdiener-Modell an, bei dem beide Partner einen etwa gleichen Anteil des Familieneinkommens erwirtschaften. Die Frauen, die Vollzeit arbeiten, wünschen sich eher eine Reduzierung ihrer Arbeitsstunden zu Gunsten der Familie. Ein kleiner Teil würde sogar einen größeren Anteil des Mannes am Familieneinkommen begrüßen, damit sie sich selbst mehr um die Kinder kümmern können. Ihre Berufstätigkeit stellt dabei jedoch keine der Befragten grundsätzlich in Frage.
Hans-Böckler-Stiftung

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