Gleichstellungspolitische Antworten auf die Krise

Veröffentlicht am 20.08.2020 in Allgemein

Mehr Ausstattung und Bildungskonzepte für mehr Chancengleichheit!

Die Konsequenzen der Corona-Pandemie zeigen ganz klar auf, dass der Förderung von Betreuungsplätzen in Kitas und auch der Ganztagsbetreuung bis jetzt nicht ausreichend nachgegangen wurde. Denn jetzt, wo Kleingruppen dringend notwendig sind, wird deutlich, wie wenig Platz für die Beschulung und Betreuung der Kinder tatsächlich vorhanden ist. Durch die Bildung von Kleingruppen wird deutlich, wie knapp der Betreuungsschlüssel bemessen ist, zumal auch pädagogisches Personal aus den Risikogruppen ausfallen. Es ist zwingend erforderlich, Personal aufzustocken, mehr Platz in Kitas sowie Schulen zu schaffen und ein bundesweites Ganztagsangebot umzusetzen.

Bildungskonzepte und Lehrpläne müssen alle Mädchen und Jungen gleichermaßen fördern, denn Bildung ist unabdingbar für mehr Gleichstellung.

Lohnerhöhungen und bessere Arbeitsbedingungen für die systemrelevanten Berufe!

Während bestimmte Berufsgruppen in der Pandemie systemrelevant und somit unverzichtbar waren, hat uns ihre Entlohnung allerdings auch gezeigt, wie groß in diesem Zusammenhang das Missverhältnis ist. Es wurde deutlich, dass vor allem Frauen in diesen Berufsfeldern tätig sind und sie besonders von den Auswirkungen der Pandemie betroffen sind. Als nötige Konsequenz muss es hier eine politische Antwort geben und das nicht nur in Form eines einmaligen Bonus. Es ist zwingend notwendig, Löhne und Arbeitsbedingungen nachhaltig und umfassend zu verbessern:

  • Die Anhebung des Mindestlohns auf mindestens 12 €.
  • Einen bundesweiten und allgemeinverbindlichen Tarifvertrag insbesondere für die Pflege, bessere Arbeitsbedingungen durch mehr Personal und kürzere Arbeitszeiten.
  • Weitere allgemeinverbindliche Tarifverträge für die systemrelevanten Berufe und die Ermöglichung dessen durch entsprechende Gesetzesänderungen auf Bundesebene (z.B. Abschaffung des Vetorechts des Arbeitgebers im Tarifausschuss) mit dem Ziel die Löhne zu heben. Dabei ist für uns klar, dass der Bund und die Länder die Kommunen bei der Finanzierung stärker unterstützen müssen.
  • Attraktivere Ausbildungsgänge, die auf dem dualen System aufbauen, von Beginn an angemessen vergütet werden und weitere berufliche Aufstiegsmöglichkeiten bieten.
  • Einen Gipfel für die systemrelevanten Berufe, bei dem Politik, Arbeitgeberinnen- und Arbeitnehmerinnenseite zusammenkommen, um sich über nachhaltige Verbesserungen für diese Berufsgruppen zu verständigen. Wir sehen hierbei u.a. den Bereich der Pflege, der Reinigung, des Einzelhandels und der Erzieher*innen.

Alleinerziehende brauchen mehr Unterstützung

In Anbetracht dessen, dass gerade Frauen überwiegend die Sorgearbeit übernehmen, gilt es, staatliche Anreize zu schaffen, um eine geschlechtergerechtere Verteilung zu schaffen und Alleinerziehende stärker zu unterstützen.

Partnerschaftlichen Verteilung von Erwachsenen-und Sorgearbeit für mehr Chancengleichheit

Es gilt in jedem Fall, dass für Eltern Betreuung und Homeoffice nicht vereinbar sind, weshalb hier Entlastung dringend erforderlich ist. Wir brauchen Familienarbeitszeit. Das ist das Recht auf Teilzeit für alle und ein Familienmitglied, wenn beide Elternteile ihre Arbeitszeit partnerschaftlich reduzieren. Gerade für die unteren Lohngruppen sind die aktuellen Entschädigungen nach dem IfSG, also 67% des Nettoeinkommens, zu wenig. In diesen Lohnsegmenten muss eine Erhöhung stattfinden.

Ehegattensplitting abschaffen, Equal-Pay einführen

Durch das Ehegattensplitting wird die ungleiche Verteilung von Arbeit zwischen Frauen und Männern aufrechterhalten. Wir fordern die Abschaffung des Ehegattensplittings und die Einführung eines Familientarifs. Zudem benötigen wir ein Equal-Pay-Gesetz, dass in allen Branchen, in denen Frauen tätig sind, Transparenz schafft und durchsetzt. Dabei soll aufgrund der Gesetzeslage bestraft werden, wer Frauen und Männer unterschiedlich bezahlt.

Island macht es vor. Unabhängige Prüfgesellschaften können dort nämlich Unternehmen entsprechend zertifizieren.

Arbeitszeitreduzierung

Wir sehen die Zukunft der Erwerbsarbeitszeit in der Verkürzung auf eine 4-Tage-Woche, bei vollem Lohnausgleich. Dies ist unabdingbar, wenn die Sorgearbeit in der Familie gleichberechtigt verteilt und die dauernde Erschöpfung gerade bei Frauen verhindert werden soll. Denn zu einem erfüllten Leben gehört neben der Erwerbsarbeit und Sorgearbeit auch Zeit für gesellschaftliches Engagement sowie das Pflegen von Freundschaften und sozialen Netzwerken.

 

Kommentare

Neue Kommentare erscheinen nicht sofort. Sie werden von der Redaktion freigegeben. Die Emailadresse wird nicht veröffentlicht.

Die Trackback-URL ist die Adresse dieser Seite.

Kommentar eingeben


Speichern

Keine Kommentare vorhanden