KERSTIN WESTPHAL: INTERNATIONALER FRAUENTAG IST KAMPFTAG FÜR FRAUENRECHTE

Veröffentlicht am 08.03.2017 in Europa

Die Gleichberechtigung von Männern und Frauen ist eine tragende Säule unseres deutschen Grundgesetzes, dort steht sie gleich am Anfang, im dritten Artikel. Auch in der europäischen Grundrechtecharta ist die geschlechtliche Gleichberechtigung an prominenter Stelle verankert. Dennoch bekommen Frauen in Deutschland immer noch niedrigere Löhne und Pensionen, haben weniger häufig Topjobs, sind in der Politik weniger vertreten, und wenden unentgeltlich mehr Zeit für Familie und Haushalt auf als Männer.

„Es ist unglaublich“, so Kerstin Westphal, „dass wir als SozialdemokratInnen am Internationalen Frauentag noch immer auf die Tatsache hinweisen müssen, dass der Lohnunterschied zwischen Mann und Frau für gleiche berufliche Tätigkeiten im Schnitt 21 Prozent beträgt. Noch schlimmer sind aber die veralteten Rollenmodelle Rechtskonservativer und Populisten, sie sind offensichtlich noch nicht im 21. Jahrhundert angekommen.“ Im Europäischen Parlament äußerte erst kürzlich ein polnischer Abgeordneter allen Ernstes, Frauen müssten aufgrund verminderten Intelligenz weniger verdienen.

„Solche Menschen haben in demokratischen Parlamenten nichts verloren! Und es gilt für die Zukunft weiterhin dafür zu kämpfen, dass sozialdemokratische Mehrheiten die Geschlechtergerechtigkeit voranbringen“, unterstreicht Westphal.

FRAUEN IM NIEDRIGLOHNSEKTOR

Frauen stellen die Mehrheit des häufig schlecht bezahlten Pflegepersonals. Und das, obwohl personenbezogene soziale Dienstleistungen Zukunftsberufe mit hoher gesellschaftlicher Bedeutung sind. Frauen sind weltweit häufiger Gewalt ausgesetzt und haben schlechtere Bildungschancen, so Statistiken der Eurostat und der Vereinten Nationen. Und Frauen sind aufgrund häufiger Teilzeitberufe und Erziehungstätigkeit im Alter und während der Rente häufiger von Armut bedroht.

„Neben der längst überfälligen Aufwertung der sozialen Berufe müssen wir weiterhin für mehr Partnerschaftlichkeit bei der Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf sorgen. Sorgetätigkeiten sind Männer- und Frauensache! Das ist nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sondern auch eine Frage der Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft“, so Westphal.

INITIATIVE DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS

Das Europäische Parlament setzt dabei auf eine Initiative zur Förderung der Gleichstellung der Geschlechter und formuliert dabei fünf Prioritäten, die die Situation von Frauen verbessern sollen: Höhere Beteiligung an Wissenschaft und Forschung, Gewaltfreiheit, Stärkere Vertretung in der Politik, bessere Work-Life-Balance, Zugang zu Bildung.

„Wir unterstützen das durch viele Maßnahmen wie dem Ausbau der Kinderbetreuung, der Einführung des ElterngeldPlus als ersten Schritt hin zu einer Familienarbeitszeit, der Verbesserung der Vereinbarkeit von Pflege und Beruf und Maßnahmen für mehr Lohngerechtigkeit“, so die fränkische EU-Abgeordnete weiter.

Der gesetzliche Mindestlohn, von dem gerade Frauen überproportional profitieren, war ein erster Schritt. Es folgen das Gesetz für mehr Transparenz beim Lohn, die Aufwertung der sozialen Berufe durch die geplante Reform der Pflegeberufe und die Einführung des Rechts auf befristete Teilzeit.

„All dies wird zu mehr Gerechtigkeit und Partnerschaftlichkeit führen. Davon bin ich überzeugt und werde mich für weitere Verbesserungen einsetzen“, so Westphal.

UNTERFRANKENS ASF MACHT WEITER DRUCK

„Wir sagen so lange das Gleiche, bis wir es erreicht haben“, ergänzt Ursula Kirmeier, Vorsitzende der AsF Unterfranken. "Deswegen werden wir von unseren Forderungen nach gleichem Lohn für gleichwertige Arbeit, Sozialversicherungspflicht ab dem ersten Euro, und Abschaffung des Ehegattensplittings nicht abrücken“, so Kirmeier weiter. Die AsF fordert darüber hinaus die Einführung einer Individualbesteuerung und einer generellen Arbeitszeitverkürzung auf 30 Stunden pro Woche.

„Wir werden die bayerische Landesregierung immer wieder aufzufordern, endlich etwas für gewaltbetroffene Frauen zu unternehmen. Es ist eine Schande, dass in Bayern noch immer nicht genügend Frauenhausplätze zur Verfügung stehen, geschweige denn eine gesicherte Finanzierung der wenigen Frauenhausplätze besteht“, kritisiert Kirmeier.

Für eine bessere Finanzierung der bayerischen Frauenhäuser startete die AsF die Kampagne „Let´s face it - Sieh der Wahrheit ins Gesicht!“. „Wir werden diese Kampagne solange fortführen, bis hier eine Änderung durchgesetzt ist“, so Kirmeier.

Die zahlreichen Themen, die die AsF seit vielen Jahren anschieben, zeigen, dass der Internationale Frauentag auch heute noch das ist, was er bereits seit über 100 Jahren war – nämlich ein Kampftag für die Rechte von Frauen, so Westphal und Kirmeier abschließend.

 

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