Vergiss mein nicht

Veröffentlicht am 19.04.2012 in Allgemein

Heutzutage erscheint es kaum jemanden noch seltsam, komisch oder unschicklich, wenn eine Frau sich bei feierlichen und/oder offiziellen Anlässen in einem Hosenanzug präsentiert.

Auch in der Politik ist der Hosenanzug als Kleidungsform für alle Geschlechter inzwischen akzeptiert. Dass eben genau diese jedoch am 15. April vor 42 Jahren einen Skandal auslöste, lässt erstaunen.

Tatsächlich war es jedoch so: Lenelotte von Bothmer, Mitglied der SPD, war am 15. April die erste weibliche Person, die das Plenum in einem Hosenanzug betrat. Auslöser dieses für damalige Verhältnisse provozierenden Auftritts war eine Aussage des Bundestagsvizepräsidenten Richard Jaeger (CSU), der im Kollegennkreis verlauten ließ, einer Frau in Hosen niemals den Zutritt zum Plenum zu erlauben, geschweige eine Rede zu halten.

Die weiblichen Abgeordneten beschließen daraufhin, dass nun erst recht eine Frau in Hosen erscheinen müsse. Lenelotte von Bothmer, leidenschaftliche Rockträgerin, erklärt sich zu diesem Schritt bereit.

Was Lenelotte daraufhin erwartete, waren sehr heftige Reaktionen – die männlichen Abgeordneten waren entsetzt, sie selbst ereilten Briefe mit beleidigendem Inhalt. Auch die Medien widmeten sich diesem „Skandal“ a la Schlagzeilen wie „So nicht, Frau Abgeordnete!“.

Heute weiß kaum jemand noch, wer die erste Frau gewesen ist, die diesen Schritt gewagt hat. Es wird vergessen – und geehrt wurde sie meines Wissens für dieses Engagement nie.

Ich persönlich habe einen sehr großen Respekt vor dieser Dame, die etwas getan hat, das nachhaltig für die Emanzipation der Frau gewesen ist.

Am Ende bleibt daher nur eine Frage offen: Hätte sich das Frau Merkel, die bekannteste Hosenanzugsträgerin im Moment, getraut?