Wir brauchen einen neuen Schub in Sachen Gleichstellung

Veröffentlicht am 29.07.2020 in Arbeitsgemeinschaften

Wenn Kitas und Schulen schließen, kehren Frauen an den Herd zurück! Wir brauchen einen neuen Schub in Sachen Gleichstellung. Die Corona-Krise werfe Frauen im Bereich Familie und Beruf um 30 Jahre zurück, so die WZB-Präsidentin Prof. Jutta Allmendinger.

Vor 30 Jahren – das war 1990: Kinderbetreuungsangebote für unter Dreijährige zu dieser Zeit? Fehlanzeige! Ganztagesschulen? Fehlanzeige! Die meisten Frauen mussten deshalb nach der Geburt eines Kindes erst zu Hause bleiben und konnten später nur halbtags ihren Beruf ausüben. Mit dem Ausbau der Kitas und der Ganztagsbetreuung hat sich hier in den letzten Jahrzehnten viel geändert.

 

Doch Corona hat uns deutlich gezeigt, wie schnell die vermeintlich alten Rollenbilder ihre Wirkkraft wieder entfalten. Homeoffice mit unter Dreijährigen funktioniert nicht – sofern man überhaupt einen Beruf hat, dem man von zu Hause aus nachgehen kann. Und wieder waren es weitgehend Frauen, die zu Hause die Arbeit rund um Kinder und Haushalt übernommen haben. Wer dies nicht zusätzlich zum Beruf stemmen konnte, hat Arbeitsstunden reduziert oder sich freistellen lassen und somit auf Einkommen und Karrierechancen verzichtet. Es braucht staatliche Anreize für eine gerechte Verteilung der Sorgearbeit zwischen Mann und Frau und deutlich mehr Unterstützung für Alleinerziehende. Eine Familienarbeitszeit, also ein Recht auf Teilzeit, in Kombination mit einem Familiengeld, das ausbezahlt wird, wenn beide Elternteile ihre Arbeitszeit reduzieren, kann hierfür eine Lösung sein.

Die Corona-Krise trifft aber auch in anderen Bereichen gerade Frauen besonders hart. Frauen arbeiten häufiger im Einzelhandel, in der Altenpflege oder Kinderbetreuung. Hierbei sind sie nicht nur schlecht bezahlt, gemessen an dem, was sie leisten, sondern dem Virus auch stärker ausgesetzt. Und dann wäre da noch das Thema häusliche Gewalt. Für betroffene Frauen und Kinder gab es durch Kurzarbeit oder Homeoffice, Ausgangsbeschränkungen und Schulschließungen weniger Möglichkeiten, aus den eigenen vier Wänden zu fliehen oder sich vertrauensvoll an jemanden zu wenden. Die Corona-Krise hat gezeigt, wie fragil viele unserer vermeintlichen Errungenschaften bei der Gleichstellung sind. Es gibt hier immer noch viel zu tun!

Dr. Carolin Wagner, stellvertretende Vorsitzende des AsF Regensburg 

zuerst veröffentlicht in mittelbayerische.de

 

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